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23.4.2020 - Die lag fordert ein umfassendes Konzept für die Kinderbetreuung in der Corona-Krise!

Endlich wird die Notbetreuung in Kitas und Schulen ausgeweitet. Das wird auch Zeit, denn Frauen leisten neben der Erwerbsarbeit durchschnittlich 4,5 Wochenstunden Haushalts-, Fürsorge- und Pflegearbeiten. Entsprechend wichtig ist die Unterstützung durch eine verlässliche Kinderbetreuung. Die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen (lag) hält die Ausweitung der Notbetreuung für längst überfällig und begrüßt diese Entscheidung. Denn gerade Frauen sind in ihrer Berufstätigkeit auf eine gute Infrastruktur von Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen. Auch während einer Pandemie!

Problematisch ist jedoch aus Sicht der lag, wer laut Niedersächsischer Verordnung vom 17. April 2020 einen Anspruch auf die Notbetreuung hat. Zum einen sind hier Kinder genannt, deren Elternteil in einem Berufszweig arbeiten, der von allgemeinem öffentlichem Interesse ist. Zum anderen steht die Notbetreuung lediglich den Kindern zu, deren Betreuung einem besonderen Härtefall entspricht, also z.B im Fall einer drohenden Kündigung oder einem erheblichen Verdienstausfall. Alle anderen Familien mit Kindern haben keinen Anspruch auf eine Notbetreuung.

Die lag ist überzeugt, dass diese Regelung dem dringenden Bedarf erwerbstätiger Frauen, insbesondere dem Bedarf von Alleinerziehenden, nicht ausreichend entspricht. Dabei ist es für die lag und sicherlich auch für die betroffenen Eltern derzeit noch vollständig unklar, wie z.B. drohende Kündigung oder erheblicher Verdienstausfall nachgewiesen werden können und wer den besonderen Härtefall definiert.

Für die lag steht fest: Gerade Frauen brauchen gute Rahmenbedingungen, um in der Corona-Krise nicht allzu lange aus dem Berufsleben aussteigen zu müssen, weil sie möglicherweise monatelang die Kinderbetreuung zu Hause bewerkstelligen müssen. Die Notbetreuung in Kita und Schule muss sich am tatsächlichen Bedarf der Eltern orientieren. Eine enge Auslegung der Härtefälle vor Ort führt eher dazu, dass sich Frauen aus der Erwerbstätigkeit zurückziehen müssen. Dies schwächt nicht nur die Einkommens-struktur des Staates, sondern verfestigt auch die traditionelle familiäre Arbeitsteilung mit ihren geschlechtertypischen Rollenbildern. Diese aufzubrechen ist jedoch das Erfordernis der Zeit, nicht deren weitere Festschreibung.

Die Pressemitteilung als PDF zum Download


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