2010 - 2014

2010 | Niedersächsische Gleichstellungsbeauftragte zahlreich in Berlin vertreten

Zur Verleihung der Preise "Spitzenvater des Jahres" der Firma Mestemacher am 11. März 2010 waren eine Reihe von niedersächsischen Gleichstellungsbeauftragten nach Berlin gereist, um der Gleichstellung von Frauen und Männern bei der Familienarbeit durch ihre Präsenz Gewicht zu verleihen.

Berlin-2010-groß

"Kinder, Küche und Karriere unter einen Hut bringen - das können Männer und Väter genauso gut wie Frauen und Mütter. Und: Immer mehr Männer und Väter entscheiden sich gezielt, ihre Fähigkeiten ausgiebiger für Kinder, Haus- und Kocharbeit zu nutzen. Sie haben sich von den Erwartungen an den typischen Mann verabschiedet und sind aufgebrochen zu neuen Ufern. Der neue Vater-Spirit fördert die Leistungskraft der Familie, der Gesellschaft und der Wirtschaft", hob Prof. Dr. Ulrike Detmers anlässlich der 5. Verleihung des "Mestemacher Preises Spitzenvater des Jahres" hervor. Die Unternehmerin, Wirtschaftsprofessorin und Frauenrechtlerin hat den vielbeachteten Preis 2006 aus der Taufe gehoben.

Die Schirmherrin Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Kristina Schröder führte dazu in einem Grußwort aus:

Vor knapp 50 Jahren prägte der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich den Begriff der "vaterlosen Gesellschaft": "In den Schattenbereich der Berufsausübung verbannte Väter erfüllen neben der gemüthaft ausgleichenden noch eine zweite Aufgabe nicht: ihren Kindern anschauliche Lebenspraxis zu vermitteln", schrieb er 1963. Wie sich die Zeiten doch ändern! Ob in Kindergärten, Schulen, auf Spielplätzen oder im privaten Umfeld: Engagierte Väter sind allgegenwärtig. Windeln wechseln und Tränen trocknen können sie so souverän wie man es lange nur Müttern zugetraut hat. Dass Kindererziehung eine Aufgabe beider Elternteile ist, gilt heute als Selbstverständlichkeit. Mittlerweile meint bereits die Hälfte der Bevölkerung, dass dafür auch Väter ihre Berufstätigkeit unterbrechen sollten. Und die Bereitschaft junger Männer, dies zu tun, ist so groß wie nie zuvor: Rund 60 Prozent der Männer - Kinderlose wie Väter - erklären sich heutzutage grundsätzlich bereit, Elternzeit zu nehmen. Ihr wichtigstes Motiv dabei ist, mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen zu können. Dass Väter, die diesen Wunsch in ihrem Arbeitsumfeld offen äußern, zunehmend als Vorbilder gelten, ist auch ein Verdienst familienfreundlicher Arbeitgeber.

Mit der Auslobung eines Preises für den "Spitzenvater des Jahres" hat sich das Familienunternehmen Mestemacher vor vier Jahren an die Spitze dieses neuen Trends gesetzt. Die Auszeichnung ist nicht nur eine wichtige Anerkennung für Männer, die Kinder und Karriere vereinbaren. Sie fördert auch eine neue Familienkultur der Partnerschaftlichkeit, die jungen Frauen und Männern die Entscheidung für Kinder erleichtert. Hinzu kommt, dass der Preis durch die öffentliche Aufmerksamkeit wegweisend für andere Unternehmen wirkt: Die Zukunft gehört Arbeitgebern, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen!

Dabei sind vor allem flexible Arbeitszeitmodelle und vollzeitnahe Teilzeitarbeitsplätze gefragt: Wir wissen, dass sowohl bei Müttern als auch bei Vätern immer noch große Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen und dem gewünschten Arbeitszeitumfang bestehen. So würde die große Mehrheit der Vollzeit erwerbstätigen Eltern die Arbeitszeit gerne etwas reduzieren. Gleichzeitig können viele derjenigen, die Teilzeit arbeiten, sich ein paar zusätzliche Arbeitsstunden gut vorstellen. Zeit für familiäre Verantwortung zu haben, ohne dafür den Beruf an den Nagel hängen zu müssen - das ist heute gleichermaßen ein Bedürfnis von Frauen und Männern. Als Eltern wünschen sie sich flexible Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die es erlauben, die gemeinsame Verantwortung je nach Lebensalter der Kinder immer wieder neu aufzuteilen und zu organisieren.

Wenn wir wirkliche Wahlfreiheit wollen, geht es also um mehr als um die Entscheidung, ob Kinder zuhause oder in einer Kita betreut werden. Wahlfreiheit braucht Partner, und zwar im doppelten Sinne: Partner in der Elternbeziehung, die gemeinsam Verantwortung übernehmen, und Partner in der Arbeitswelt - Arbeitgeber, die bereit sind, ihren Mitarbeitern durch flexible Arbeitsbedingungen Zeit für Verantwortung zu geben. Beides kann unter anderem mit dem Ausbau des Elterngeldes gefördert werden. Vier statt bisher zwei Partnermonate unterstützen aktive Väter und die partnerschaftliche Fürsorge. Ein Teilelterngeld, das mit Teilzeitarbeit kombinierbar ist, gibt Eltern mehr Flexibilität bei der gemeinsamen Gestaltung von Familien- und Arbeitsleben. Dass viele Unternehmen flexible Arbeitszeiten und eine familienfreundliche Personalpolitik auch als strategischen Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte erkannt haben, beschleunigt die Umsetzung der Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt.

(Bericht von lag-Sprecherin Ulrike Hoffmann-Bürrig)


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