2010 - 2014

2011 | Talkrunde zur Professionalisierung im Frauenfußball

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_KurztextIm Rahmen der Frauenfußballweltmeisterschaft 2011 diskutierten am 05.07.2011 unter der Leitung der ersten Sportstudio-Moderatorin, Carmen Thomas, Fußballerinnen der ersten Stunde mit aktiven Akteurinnen und Akteuren aus der Fußballwelt in einer spannenden Talkrunde. Sie alle stellten sich den Fragen: Wie professionell ist der Frauenfußball geworden? Die Spielerinnen feiern große Erfolge, sind sie darum inzwischen genauso anerkannt wie die Fußballspieler? Oder gibt es noch immer Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball? Und spiegelt die Geschichte des Frauenfußballs nicht sogar die Geschichte der Frauenbewegung wider?

Die Frauenfußball-WM in Deutschland hat mehr Zuschauerinnen und Zuschauer in die Stadien und vor die Bildschirme geholt, als sich viele Verantwortliche zunächst erhofft hatten. Doch der Blick zurück in die Fußballgeschichte der letzten ca. 60 Jahre in Deutschland verrät sehr schnell, dass in den Anfängen von Begeisterung für den Frauenfußball nicht die Rede sein konnte. Ganz im Gegenteil! Bis in die 70er Jahre war Frauenfußball in Deutschland verboten.

Zu Beginn der Talkrunde ließen Ausschnitte aus dem Film "Der verbotene Kick" von Per Schnell die Anfänge des Frauenfußballs wiederaufleben. Die Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Wolfsburger Fanmeile sahen nicht nur Bilder der ersten Spielerinnen, sondern fühlten sich in den Zeitgeist und die Frauen- und Rollenbilder der 60er, 70er Jahre hineinversetzt. Der Filmemacher verdeutlichte im anschließenden Gespräch eindrücklich, dass dieser Film nicht nur den Frauenfußball thematisiert, sondern ein Stück Zeitgeschichte der Frauenbewegung dokumentiert.

Eine der ersten deutschen Nationalspielerinnen, Christa Kleinhans, forderte im Gespräch mit Carmen Thomas dann auch den DFB auf, dass es endlich an der Zeit wäre, sich bei den Spielerinnen der ersten Stunde dafür zu entschuldigen, wieviel Steine den Fußballerinnen zunächst in den Weg gelegt wurden. Sie erinnerte an Polizeikontrollen, die dafür sorgen sollten, dass Fußballplätze von den Frauen nicht bespielt wurden oder an die beschämende "Prämie" für die erste gewonnene Weltmeisterschaft: das Kaffeegeschirr 2. Wahl.

Als aktiver Unterstützer des Frauenfußballs betonte Karl Rothmund (Präsidet Nds. Fußballverband, Vizepräsident DFB), dass seiner Ansicht nach die heutigen Spielerinnen gleichberechtigt ihrem Sport nachgehen können. Die bestehenden Unterschiede in der Bezahlung und der Berichterstattung in den Medien erklärte er mit den geringeren ZuschauerInnenzahlen bei den Frauenspielen. "Eine Veränderung wird sich nur ergeben, wenn mehr Zuschauerinnen und Zuschauer die Spiele der Frauen besuchen". Dafür würde er auch künftig werben.

Die Veranstalterinnen wollten aber nicht nur einen Blick in die Geschichte des Frauenfußballs werfen, sondern der Frage nachgehen, ob Frauenfußball in Deutschland noch immer zweitrangig ist. Die jüngeren (ehemaligen) Aktiven wie Christa Klinzmann und Stefanie Gottschlich (ehem. Nationalspielerinnen) und Verena Schultz (FIFA Schiedsrichterin) berichteten, dass sie sich inzwischen gleichberechtigt fühlen. Allerdings konnten auch sie nicht umhin, festzustellen, dass es doch noch Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball gibt. Sei es bei der Frage nach der Bezahlung oder um die Anerkennung durch die Medien, die fußballbegeisterten Frauen hatten und haben keinen einfachen Weg zu gehen. Und so stellte Beate Ebeling fest, "dass die heutige Situation der Spielerinnen viele Gleichstellungsthemen widerspiegelt, die auch außerhalb des Sports eine Rolle spielen". Umso wichtiger ist es nach wie vor, dass Mädchen und Frauen ihre Rolle im Fußball einnehmen. "Und deshalb ist es nicht nur richtig, die Historie und die Gegenwart des Frauenfußballs kritisch zu hinterfragen, sondern auch für den Frauenfußball zu werben", so Silke Tödter.

Veranstalterinnen:
lag, als Deligierte Silke Tödter, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Peine und Beate Ebeling, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wolfsburg

Schirmherrin der Veranstaltung:
Die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen und Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan

Hier einige Impressionen:

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_01

Moderatorin Carmen Thomas im Gespräch mit...
2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_02
...Oberbürgermeister Prof. Schnellecke, Wolfsburg

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_03
...Beate Ebeling, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Wolfsburg

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_04
...Per Schnell, Produzent Film "Der verbotene Kick"

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_05
...Christa Kleinhans, eine der ersten dt. Nationalspielerinnen, mehr als 100 Länderspiele

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_06
...Christa Klinzmann, erste Spielerin aus Wolfsburg, dt. Nationalspielerin

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_07
...Karl Rothmund, Präsident Nds. Fußballverband, Vizepräsident DFB

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_09
...Stefanie Gottschlich, ehem. Spielerin VFL WOB, dt. Nationalspielerin und Weltmeisterin 2003

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_10
...Verena Schultz, FIFA Schiedsrichterin

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_13
...Silke Tödter, Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Peine und Deligierte für die lag

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_12

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_08

2011_Talkrunde-Frauenfussball-WM_19
Frauenfolkband "The Sally Gardens" aus Rostock

zurück