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08.05.2019 - lag zur Woche der Geburt

Die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros (lag) nimmt die Weltwoche der Geburt in der 3. Maiwoche zum Anlass erneut auf die schwierige Situation der Geburtshilfe in Niedersachsen hinzuweisen.

Besonders der Mangel an Hebammen bzw. Entbindungspfleger die Schwangeren als Ansprechpartner*innen für Fragen und Vorbereitung rund um die Geburt zur Verfügung stehen, geht weiter voran. Ebenso passiert es immer häufiger, dass Geburtshilfe in Krankenhäusern vorübergehend oder ganz schließen muss – teilweise auch aus Personalmangel! Besonders im ländlichen Bereich wird die Situation immer schwieriger. Denn: Schwangerschaft wird heutzutage mehr und mehr als ein medizinischer Risikozustand empfunden und weniger als natürlicher Zustand, einfach als Teil des Lebens. Werdende Mütter fragen heute mehr und komplexere Leistungen nach. Entsprechend hat sich der Zeitaufwand für die Betreuungen erhöht. "Es geht immer weniger um eine Zeit guter Hoffnung, sondern um eine Phase erhöhten Risikos, die es irgendwie heil zu durchstehen gilt. 70 Prozent aller Schwangerschaften gelten als Risikoschwangerschaften – das hat auch und vor allem finanzielle Gründe: Frauenärztinnen und –ärzte können ohne "labelling", also ohne der Frau diverse Diagnosen zu stellen, keine kostendeckende Schwangerenvorsorge erbringen", so die ZGF Bremen, die sich schon lange gegen die fortschreitende Risikoorientierung der Geburtshilfe und Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt engagiert.

Der schon jetzt zu verzeichnende akute Hebammenmangel wird sich in naher Zukunft weiter verschärfen. Dann werden die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Das betrifft laut des niedersächsischen Hebammenverbands 25 Prozent der Hebammen in Niedersachsen, als Zahl heißt das - bis zu 500 Hebammen werden aufhören ihren Beruf auszuüben. Die derzeitigen Ausbildungszahlen müssen also mindestens verdoppelt werden, und das rasch. Erste Auswirkungen des Mangels werden deutlich – in Oldenburg musste zum 1.1.2019 ein Kreißsaal schließen, der Kreißsaal des Helios-Klinikums in Gifhorn schloss seine Pforten wegen Personalmangels kurz vor Weihnachten für eine Woche und in Peine schließt die Fachabteilung für Frauenheilkunde im Klinikum ganz. Laut des Deutschen Hebammenverbands ist innerhalb von 15 Jahren die Anzahl der Krankenhäuser, in denen Kinder zur Welt gebracht werden konnten, von 107 auf 73 geschrumpft.

Eine flächendeckende Hebammenversorgung ist in Niedersachsen seit längerem nicht mehr gegeben. Dazu kommt der Wandel der Ausbildung der Hebammen. Bedingt durch EU Vorgaben wird der Beruf ab 2020 in einen Studiengang überführt. Und hier beginnen die neuen Probleme – in Niedersachsen soll es zukünftig vier Studienstandorte geben – aber bis heute steht unserer Kenntnis nach nicht fest wo sie angesiedelt werden. Auch woher die Lehrenden kommen wird Teil des Problems der neuen Ausbildung sein. "Aktuell gibt es mehr Fragen als Antworten rund um die Geburtshilfe – es wird Zeit konkret zu werden und Hebammen und Geburtshilfe politisch und effektiv zu stärken," so Katrin Morof, Vorstandsmitglied der lag.


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