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24.04.2018 - Pressemitteilung zur Landeskonferenz: Kritischer Blick auf die Prostitution

Die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen (lag) tagte mit ihrer Landeskonferenz am 19. April in Stade. Anne Behrends, langjähriges Mitglied im Vorstand der lag, hatte dazu eingeladen.

Das Schwerpunktthema der Landeskonferenz war Prostitution. Manuela Schon, Soziologin und Mitbegründerin des bundesweiten Netzwerks "Abolition 2014 - Für eine Welt ohne Prostitution" und Mitglied bei sisters. e.V., trug zu dem spannenden Titel vor: "Die Freier im Fokus - Warum das Nordische Modell des Prostitutionsverbots eine Erfolgsgeschichte ist". Viele Teilnehmerinnen der Landeskonferenz reagierten zunächst betroffen und sprachlos auf die brutalen Fakten, die präsentiert wurden.
Schon führte aus, dass viele Länder im europäischen Ausland, z.B. Schweden, Norwegen, Irland, Island, Frankreich und auch das ferne Kanada, bereits ein Prostitutionsverbot nach schwedischem Vorbild umgesetzt haben. Das schwedische Prostitutionsverbot bestraft nicht die Prostituierten, sondern die Sexkäufer, aber auch die Bordellbetreiber*innen und Menschenhändler*innen. Die Prostituierten werden nicht bestraft, weil man weiß, dass sie kaum freiwillig in dem Dienst sind, sondern dazu gezwungen werden.

Nur in Deutschland herrsche unbeirrt aller kritischen politischen Diskussion die Grundhaltung vor, nach der jede Frau frei ihren Beruf wählen kann, so Schon. Das gelte auch für Prostituierte. Diese liberale Haltung hat zur Folge, dass Deutschland zur Drehscheibe für Männer aus ganz Europa geworden ist, die Frauen für sexuelle Dienste kaufen. Auch Fakten, die das derzeitige System der Prostitution in ein kritisches kriminelles Licht stellen, hinderten die Bundesregierung nicht daran, die Prostitution in dieser Form beizubehalten. Es wurde 2017 das Prostituiertenschutzgesetz eingeführt, mit dem man glaubt, den kriminellen Machenschaften rund um die Prostitution ein Ende setzen zu können.

Die Realität zeigt leider ein anderes Bild: "Mehr als die Hälfte der Prostituierten hat bereits in der Kindheit Missbrauch und sexualisierte Gewalt erlebt und diese Gewalterfahrungen setzen sich fort", so Schon. Selbst der Tod der Prostituierten ist keine Seltenheit. Auch in Stade ist bereits eine Anschaffende ermordet worden.
Schon machte deutlich, dass es in Deutschland Ausstiegsprogramme mit konkreten Angeboten, wie einer Ausbildung, einer sicheren Wohnung, Angebote der Gesundheitsfürsorge für die Prostituierten geben müsse, denn daran scheiterten so viele Ausstiegswillige. Insbesondere eingeschleuste Frauen müssen einen Aufenthaltstitel erhalten und bleiben können. Mit Zahlen konnte auch belegt werden, dass oft die Pornographie das Einfallstor für die Prostitution ist. Ein Blick in die Freierforen im Internet macht die ganze Frauenverachtung und Entwürdigung deutlich. Daran wurde schnell klar, dass es die Gleichstellung der Geschlechter nicht geben kann, solange Frauen ihren Körper für sexuelle Dienste "verkaufen" müssen.

Schweden, das seit 1999 ein Prostitutionsverbot hat, kann viele vorzeigbare Entwicklungen präsentieren: Die Zahl der Prostituierten ist deutlich gesunken und auch der Menschenhandel ist stark zurückgegangen. Die Quote der Vergewaltigungen ist, anders als immer angeführt, in Schweden stark zurückgegangen. Das Gesetz wirkt normativ: Junge Menschen werden ohne die in Deutschland so allgegenwärtige Frauenverachtung durch Prostitution groß.

Weitere wichtige Themen der Konferenz waren: Die Hebammenversorgung im ländlichen Raum. Die lag setzt sich für eine Aufwertung des Berufes der Hebamme ein, sie fordert die Akademisierung des Berufs, eine bessere Vergütung, auf Landesebene einen Runden Tisch aller Beteiligten sowie eine umfängliche Bedarfserhebung. Nach Ansicht der lag müsste es einen Aktionsplan auf Landesebene geben mit einer breitangelegten Informations- und Werbekampagne für diesen so wichtigen Beruf. Immerhin ist die gesunde Geburt nationales Gesundheitsziel.

Drei Kolleginnen wurden mit großem Dank aus dem Vorstand verabschiedet: Christina Mundlos, Stadt Langenhagen, Karin Jahns, Stadt Hildesheim, und Simone Semmler, Stadt Salzgitter. Neu in den Vorstand wurde Sarah Peters, Stadt Nienburg, gewählt. Zwei Stellen bleiben im Vorstand derzeit vakant.

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